In Deutschland sind Frauen und Männer gleichberechtigt. – Leider NEIN und das muss sich ändern!

Lino Leudesdorff

Die rechtliche und wirtschaftliche Gleichstellung von Frauen ist fest in den Grundwerten der Sozialdemokratie verankert. Insbesondere im Bereich der wirtschaftlichen Gleichstellung haben wir noch einen weiten Weg vor uns. Noch immer sind Frauen bei Einkommen, Vermögen und Aufstiegsmöglichkeiten massiv benachteiligt. 2018 lag der Bruttostundenverdienst von Frauen um 21 % niedriger als der von Männern. Beim Vermögen wird die Ungleichheit besonders deutlich. In diesem Vermögenssegment befinden sich überwiegend Männer und der Frauenanteil liegt nur bei etwa 31 %, laut dem Female Founders Monitors 2019 sind nur 15,1 % der deutschen Start-up-Gründer*innen Frauen. Diese Zustände müssen sich ändern durch:

–          Beendigung der Lohndiskriminierung

–          Mehr Frauen in Führungspositionen – nicht nur bei Vorständen!

–           Das Recht auf Arbeitszeitreduzierung und Rückkehr in Vollzeit bei allen   Unternehmen    ab 50 Mitarbeitern

–          Förderung von Gründerinnen

Das allgemeine Gleichstellungsgesetz soll eigentlich auch dazu dienen, die Diskriminierung nach Geschlecht, dabei sehr oft Frauen, zu schützen. Ergänzt wird es seit 2017 durch das Entgelttransparenzgesetz. Leider sind das in Deutschland zahnlose Tiger. Das Entgelttransparenzgesetz gilt nur für Firmen ab 500 Beschäftigte. Ich möchte es entsprechend der Forderung von Manuela Schwesig auf 6 Beschäftigte absenken und die Unternehmen unangekündigt prüfen. Denkbar wäre eine Durchführung durch die Sozialversicherungsträger, da diese im Falle einer Benachteiligung von Frauen ebenfalls um zusätzliche Beiträge betrogen werden. Frauen sollen nicht mehr gegen Ihre Arbeitgeber klagen müssen, um eine Diskriminierung festzustellen, sondern dies über ihren Sozialversicherungskläger in Erfahrung bringen können. Die Sozialversicherungsträger sollen auch ohne Hinweis automatisierte It-gestützte Prüfungen durchführen um mögliche Diskriminierungen zu enttarnen. Zudem soll es ein Equal Pay Gesetz nach spanischem Vorbild geben. Bei Nichtbeachtung wird dort zusätzlich zur Lohnanpassung ein Bußgeld von bis zu 187.000€ fällig. Diese grandiose Idee der spanischen Sozialdemokraten möchte ich übernehmen und somit das Gender-Pay-gap schließen.

In Deutschland waren im Jahr 2018 76 % der Frauen im Alter von 20 bis 64 Jahren in Deutschland erwerbstätig doch das spiegelt sich nicht in den Führungsetagen der großen Unternehmen wider. Talent und Einsatz sollten die Basis für Aufstieg sein, nicht das Geschlecht. Dabei ist die Idee, dass man mehr Toppositionen mit Frauen besetzt und dies zu einem „Triple-down“ Effekt führt, ist eine Illusion. Seit Januar 2016 gilt die Mindestgeschlechterquote von 30 % für neu zu besetzende Aufsichtsratsposten in mehr als 100 börsennotierten und paritätisch mitbestimmten Unternehmen – ein sehr wichtiger Schritt. Ich begrüße es auch, dass bei der Quote für Vorstände Bewegung reinkommt. Die Lebensrealität der meisten Frauen bildet dies jedoch nicht ab. Ich setze mich deshalb zusätzlich für die Förderung von Frauen bei mittlerem Management oder Teamleitungsfunktionen ein. Diese Führungskräfte sind es, die Arbeitsbedingungen im Alltag weiterentwickeln und dafür sorgen, dass sich gerechte Arbeits- und Lohnbedingungen einstellen.

Setzen wir nicht nur bei den Topjobs an, denn es sind die Klein- und Mittelverdienenden Frauen die unsere Unterstützung brauchen. Es muss eine ersatzlose Streichung von 450 € und Midi-Jobs geben. Insbesondere die geringeren Abgaben für Arbeitgeber sind ein hoher Anreiz vor allen Dingen Frauen in der „Teilzeit-Falle“ zu beschäftigen. So etwas darf nicht noch durch reduzierte Sozialabgaben subventioniert werden. Eng damit zusammen hängt die Verankerung eines Rechts Arbeitszeitreduzierung mit gleichzeitiger Möglichkeit wieder in Vollzeit zu wechseln. 

Als Gründer muss ich leider feststellen: die Start-up Szene ist in Deutschland sehr männlich dominiert. Dies führt dazu, dass es weniger Vorbilder oder weibliche Berater*innen in diesem Bereich gibt. Besonders häufig sind Start-ups von Frauen in weniger margenträchtigen Branchen wie dem Gastrobereich anzutreffen, die obendrein massiv durch die Coronakrise betroffen sind. Das muss sich ändern. Ich befürworte daher ein deutschlandweites Netzwerk mit jährlichen Treffen und digitaler Plattform, auf der sich insbesondere weibliche Gründerinnen und solche, die es werden wollen, austauschen können und gemeinsam nach geeigneten Finanzierungen suchen können. Untersuchungen zeigen zudem, dass bei Finanzierungen von privaten Banken und staatlichen Förderinstituten Startup-Projekte von Frauen seltener und wenn dann mit geringerem Volumen finanziert werden. Auch hier müssen wir in Deutschland besser werden.

Hinweis: Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie habe ich bewusst an dieser Stelle ausgespart. Es ist eine Fehlannahme, dass Gleichstellungspolitik immer mit Familienpolitik vermengt wird. Auch wenn es Schnittstellen gibt: Frauen sind nicht bloß Mütter und insbesondere wirtschaftliche Gleichberechtigung wird nicht durch ein höheres Kindergeld erreicht. Unser Ziel ist es, dass Familienarbeit gerecht aufgeteilt wird. In einem eigenen Blogbeitrag werde ich mich diesem Ziel widmen.